Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar /

Birol „Hugo“ Gültepe und der Winterdienst

Jan 18, 2021

Kurz vor dem Jahreswechsel habe ich meine Kolleginnen und Kollegen des Betriebshofs besucht, mich im Rahmen eines gemeinsamen Frühstücks für die fleißige, engagierte Arbeit im Jahr 2020 bedankt. Das war mir bisher in jedem Jahr wichtig.

 Und wir haben vor einigen Tagen auch über den anstehenden Winterdienst gesprochen. Mit welcher Anzahl von Kollegen und Kolleginnen sind wir unterwegs? Mit welchem Material? Wie gehen wir mit Beschwerden um? Und ich habe meinem Kollegen Birol Gültepe angekündigt, ihn auf „seinem“ Räumfahrzeug zu begleiten. „Hugo“ wird er seit fast 35 Jahren auf dem Betriebshof gerufen. Er feiert am 1. April sein 35jähriges Jubiläum auf dem Betriebshof.

 Ich kenne meinen Kollegen Birol Gültepe auch von seiner Tätigkeit im Personalrat. Er sagt seine Meinung, er identifiziert mit seiner Arbeit, er arbeitet gerne für die Stadt. Darüber hinaus engagiert er sich ehrenamtlich. Fast 25 Jahre war er Fussballtrainer für Kinder und Jugendliche, u. a. beim VfL Oker und GSC. Er hat mich aber auch schon in die Moschee eingeladen, mir „seine“ Gemeinde in Oker vorgestellt.

Birol Gültepe steht für mich für gelungene Integration. Sein Vater ist Anfang der 1970er Jahre als sogenannter türkischer Gastarbeiter nach Deutschland gekommen, hat dann zunächst im Bergbau in Dortmund gearbeitet. Die Familie ist 1976 aus der Türkei nachgezogen, dann bereits nach Goslar. Birol war damals acht Jahre jung, hat die Schule in Oker besucht, später eine Familie in Oker gegründet. Am 03. Oktober habe ich ihn zufällig mit seiner Ehefrau auf dem Brocken getroffen, sportlich unterwegs – nicht nur bei der Arbeit. Ich mag meinen Kollegen Birol Gültepe.

 

Gestern Nachmittag hat er mich angerufen und vorgewarnt. Ganz früh ging es heute los. Ab 4:30 Uhr war er mit den ersten Kollegen auf der Straße. Insgesamt sind heute über 30 Personen des Betriebshofs unterwegs; neun gut ausgestattete Winterdienstfahrzeugen (jeweils mit einem Kollegen besetzt) sind im Einsatz. 

Ich habe auf dem Beifahrersitz des Räumfahrzeuges Platz genommen und mir von Birol Gültepe seine Arbeit erläutern lassen:

Jeder Fahrer ist für einen definierten Bezirk zuständig. Straßen, die zu streuen und vom Schnee zu befreien sind, sind nach Prioritäten sortiert. „Überall, wo unsere Linienbusse fahren, räumen wir zuerst“! erzählt Birol mir und weiter: „Dann die steilen Straßenabschnitte!“

Mir fällt auf, wie rücksichtslos manche PKWs abgestellt werden. Wendeplätze sind an vielen Stellen als solche für die Winterdienstmaschinen nicht nutzbar.

An manchen Ecken fährt sich Birol deshalb fest, muss im Rückwärtsgang weite Strecken zurücklegen. „Die Falschparker sind doch die, die sich zuerst über ungeräumte Straßen beschweren!“ lächelt er. Ihm macht keiner was vor, er kennt seine Straßen in Oker, in Sudmerberg – er kennt das Winterdienstgeschäft seit Jahren. 

In Oker, am Bahnhof, haben wir Kaffee nachgesteuert. Brotzeit hat Birols Ehefrau für ihn (und mich :-)) vorbereitet. Vielen Dank dafür nach Oker!

„Gestört“ wird Birol Gültepe bei seiner Arbeit heute nur von meinen Fragen und den Anrufen vom Betriebshof. Hier gehen die Fragen und Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern ein und werden an die Fahrer weitergegeben. “Ich kann nur eine Straße nach der anderen abfahren!”, sagt Birol in sein Telefon. 80 km kommen in einer Schicht schnell zusammen.

Wir sitzen im geheizten Fahrerhaus des Winterdienstfahrzeuges, fahren an Kolleginnen und Kollegen des Betriebshofs, von Eurawasser, des Landkreises vorbei…….. Nicht alle sitzen so bequem wie ich. Da wird Schnee an vielen Stellen auch ganz ohne großes Gerät weggeschaufelt, z. B. an Bushaltestellen, auf Gehwegen…..

Ich habe großen Respekt vor der Arbeit unserer Winterdienstler. Früh aufstehen, kalte und nasse Füße – und irgendwie weiß es doch jeder besser. Schneeräumen ist vermeintlich ja so einfach…

Vielen Dank liebe Kolleginnen und Kollegen! Und vielen Dank Hugo fürs Mitnehmen, Erzählen und Zuhören!

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