Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar/„Tisch der Entscheidungen“

Feb 19, 2021

Aktuell bestimmen fast nur sorgenvolle oder negative Nachrichten das Geschehen und lassen uns alle oft genug fragend zurück. Wie geht es weiter? Was macht mein Arbeitgeber? Wann kommen die Impfungen ? Alles berechtigte Fragen und Sorgen, und dennoch es geht weiter, auch und gerade in Goslar.

 

Besonders gefreut habe ich mich deshalb Anfang 2021 über die Anzeigen in der Goslarschen Zeitung, dass in der Adlerpassage das Team der GET Therapie GmbH eine Zweigstelle eröffnet und ab sofort in der Kaiserstadt seine Dienste anbietet. Ein, zwei Anrufe später, hatte ich einen Termin mit Stefanie und Sebastian Giese ausgemacht und wollte mal hören, wer die „Neuen“ in Goslar sind.

Zum Termin selbst musste sich die Dame des Hauses leider entschuldigen lassen, das Familienunternehmen wollte betreut sein und so hatte „nur“ Sebastian für mich Zeit. Sage noch einer, Frauen hätten keine Führungspositionen J

Wer die Neuen sind, wollte ich also wissen und musste ganz schnell feststellen, dass Familie Giese gar nicht so neu ist. Nur der berufliche Weg hatte beide noch nicht nach Goslar geführt. Wir nahmen Platz am „Tisch der Entscheidungen“ in der heimischen Küche in Immenrode. Dem Ort, aus dem gleich zwei Marktbegleiter für meinen aktuellen Arbeitsplatz kommen; also los.

Sebastian hatte nun die Aufgabe, mir erstmal zu erklären, was die GET Therapie GmbH eigentlich ist und was bisher geschah. Das ist schon eine ganze Menge. Mit sieben Jahren ist Sebastian mit den Eltern aus dem Rheinland nach Immenrode gekommen, Papa Ecki als Vermesser bei der Stadt Goslar eingestiegen.

Inzwischen lebt Sebastian mit Frau, zwei Kindern sowie den Haustieren in Immenrode und fühlt sich wohl im Kleinstadtleben. Beruflich führte der Weg über Seesen (bei Asklepios), über Wolfenbüttel nach Goslar. Nach einigen Jahren als Angestellte wagten die Gieses 2003 den Schritt in die Selbstständigkeit. Zunächst mit einem kleinen Standort und einem Partner, wuchs das Unternehmen schnell, breitete sich aus und zählt inzwischen fast 50 Köpfe. Der frühere Partner hat einen Standort übernommen und bespielt diesen inzwischen allein, Familie Giese hat fleißig erweitert. Zuletzt 2016 mit dem Schritt ins Ärztehaus Wolfenbüttel, wo man eine große Praxis betreibt.

Am Beginn der Selbstständigkeit war Goslar besetzt, so Sebastians Antwort, warum er den Umweg über Wolfenbüttel nehmen musste. Aber jetzt, mit mehr Erfahrung und Mut, aber auch einer neuen Marktanalyse, ist die Heimatstadt wieder auf dem Zettel aufgetaucht und seit dem 4. Januar bieten die Gieses ihre Dienste in der Adlerpassage an. Der Anker ist also geworfen.

Und während wir uns austauschen, leuchten die Augen von Sebastian, denn dies soll nicht die einzige Zweigstelle in Goslar sein. Das Ärztehaus auf dem Fliegerhorst soll ebenfalls bespielt werden und der Einzug ist für den Frühsommer geplant. Auch die GmbH, die zwischenzeitlich organisatorisch nötig wurde, hat ihren Sitz in Goslar. Aktuell in Immenrode, quasi am Tisch der Entscheidungen.

Der Tisch wird bald wohl eine neue Heimat brauchen, denn die Familie möchte berufliches und privates trennen und auch die Verwaltung der get-ergo nach Goslar verlegen. Raus aus der Küche, rein in professionelle Strukturen. Sebastian selbst wird dabei künftig noch weniger „am Patienten“ arbeiten können, sondern sich um das Unternehmen kümmern, welches mit den neuen Räumen am Fliegerhorst auf 70 Personen anwachsen soll. Noch vor ein paar Jahren, so sagte er mir, wäre das für ihn undenkbar gewesen. Er komme aus einem Gewerkschaftshaushalt und sah sich eigentlich nicht als Unternehmer. Ich muss schmunzeln, weil ich gerade in dieser Woche an der Trinks-Demo teilgenommen habe und mich umgekehrt nie als Gewerkschafter gesehen habe. Aber so ist das wohl mit den Jahren und der Lebenserfahrung, wir rücken alle in die Mitte, jeder aus seiner Richtung.

 

Beim Stichwort Trinks berichtet mir Sebastian aber auch von einem anderen Blick auf die aktuellen Entwicklungen. Er sieht hier die Chance für sich, gute und qualifizierte Mitarbeiter für den nächsten Schritt in seinem Unternehmen gewinnen zu können. Auch eine Sichtweise, wenngleich sie den Verlust der Arbeitsplätze nicht auffängt, aber doch zeigt, dass wir die Menschen dringend in unseren Betrieben brauchen.

 

Es fühlt sich gut an, am Tisch der Entscheidungen und mit der Begeisterung für unsere Stadt, die ich erleben darf. Hier war nicht die Förderbank entscheidend, nicht die Wirtschaftsförderung oder ein rührseliger OB, hier hatte einfach jemand richtig Lust auf eine Zweigstelle in seinem Goslar – das macht Mut!

 

Ich habe mir diese Woche die GET Therapie GmbH ausgeschaut, weil mir die Firma zum Jahresstart ins Auge gesprungen ist. Weil hier Menschen Mut haben, Lust haben und richtig sympathisch an die Sache rangehen. Dabei wünsche ich Euch, liebe Stefanie, lieber Sebastian, ganz viel Erfolg und bin sicher, ihr seid vielleicht die erste unternehmerische Herzenssache 2021, ganz sicher aber nicht die letzte.

Newsletter

Jede Woche halte ich Sie auf dem Laufenden was mich bewegt: Die neueste Herzenssache, der aktuelle Podcast, News aus unserer Stadt. Ich freue mich, wenn wir über diesen Newsletter in Kontakt bleiben.

*