Neustart für die Beteiligungen: Die Regionspolitik muss vom nachträglichen Genehmiger zum aktiven Eigentümer werden.

Die Deutsche Messe AG in Hannover findet keinen Weg aus der Krise. Fehlentwicklungen werden durch die Vergabe von teuren Beraterleistungen nur noch verstärkt. Seit 2020 hat die Deutsche Messe AG rund 6.2 Millionen EUR für Gutachten und Beratungsleistungen ausgegeben. Bis heute ist aber unklar, wie hoch der Sanierungs- und Investitionsbedarf auf dem Messegelände tatsächlich ist. Er wird auf bis zu einer Milliarde Euro prognostiziert.

Hinzu kommt: Die Hannover Messe ist auf nur noch 110.000 Besucher erneut geschrumpft. Und durch den Streik in den Messetagen hat sich die Landeshauptstadt wahrlich nicht als bester Gastgeber gezeigt.

Wohl ist die Region nicht Gesellschafter der Messe, die wirtschaftlichen Effekte reichen aber weit über die Stadtgrenzen der Landeshauptstadt hinaus: Hotels, Gastronomie, Mittelstand, Handwerk, Mobilität und Arbeitsmarkt profitieren in der gesamten Region vom Erfolg der Messe.

Das ungelöste Messe-Thema ist aber nur eines von vielen Problemen in den Beteiligungen von Landeshauptstadt und der Region Hannover. Wenigstens fragwürdig bleibt der Umzug des ÜSTRA- Kundenzentrums mit einer Jahresmiete von fast einer Million Euro. Skandalös ist jedenfalls das Organisationsversagen in der Wohnungsbaugesellschaft mit einem Schaden von wohl 450.000 EUR.

Die Region Hannover muss ihren Beteiligungen und Gesellschaften künftig deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen. Beteiligungsmanagement darf sich nicht darauf beschränken, Gesellschaftsanteile zu verwalten und am Ende des Jahres auf Zahlen und Abschlüsse zu schauen. Die Region muss ihre Rolle als Eigentümerin aktiver wahrnehmen, klare strategische Ziele vorgeben und nachvollziehbare Erwartungen an Wirtschaftlichkeit, Leistung und Qualität formulieren. Denn wo öffentliches Geld eingesetzt wird, braucht es klare Ziele, messbare Ergebnisse und transparente Entscheidungen.

Und: Regionsspitze und Regionsversammlung müssen steuern, bevor Fakten geschaffen werden – und nicht erst dann informiert werden, wenn wesentliche Entscheidungen längst gefallen sind.

Mein Anspruch ist es, die Regionspolitik vom nachträglichen Genehmiger zum aktiven Eigentümer weiterzuentwickeln. Starke öffentliche Unternehmen brauchen starke und verantwortungsvolle Steuerung. Mehr Transparenz und bessere Kontrolle schützen dabei nicht nur den Haushalt der Region, sondern stärken auch das Vertrauen der Bürger in ihre Kommunalpolitik.

Credit: Deutsche Messe

Oliver Junk