Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar/ Christine Hochreuter

Sep 19, 2019 | Herzenssache

Wer meine „Herzenssachen“ regelmäßig liest, der weiß wohl schon, dass ich

Fan des Hotels Villa Saxer in der Mauerstraße bin. Ein echter Gewinn für

unsere Stadt!

Und auch ein persönlicher Gewinn für mich. Nun benötige ich in Goslar kein

Hotelzimmer, aber hin und wieder finde ich Zeit, um in der Villa Saxer zu

frühstücken. Die Wurst von einem meiner Lieblingsschlachter Claus

Brennecke gemeinsam mit dem Rührei hat besonderes Lob verdient!

Als Stammgast möchte ich mich zwar nicht bezeichnen, aber ich kenne einen

Frühstücksstammgast im Hotel Villa Saxer.

Christine Hochreuter!

Und deshalb war es ganz naheliegend, dass ich mich dort zu meinem

„Herzenssache-Interview“ mit ihr getroffen habe.

Es war ihr erster „Ausflug“ nach einem längeren Klinikaufenthalt. Und ich

bin richtig froh darüber, dass Frau Hochreuter wieder auf die Beine

gekommen ist. Sie startet unser Frühstück sehr erfrischend mit folgenden

Worten:

„Ich war richtig krank. Mein Kopf war so leer. Ich wusste noch nicht einmal

mehr, wann die Bundesliga beginnt und wann der FC Bayern spielt. Dass

man nicht weiß, wieviel Geld man im Geldbeutel hat, ist normal, aber so

etwas vergisst man doch nicht.“

Frau Hochreuter wurde in Nürnberg geboren und ist in Mittelfranken groß

geworden. 1963 ist sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern nach Goslar

umgezogen. Sie hatte ein Haus von ihren Großeltern in der Tappenstraße

geerbt. In diesem Haus wohnt sie bis heute. Ihr Ehemann war bei der AOK in

Braunschweig beschäftigt und Frau Hochreuter selbst startete ihren

beruflichen Neuanfang nach der Kinderzeit 1969 in einer Buchhandlung in

Goslar. Dann wechselte sie 1972 zur Stadt und arbeitete dort in

verschiedenen Abteilungen bis 1998.

„Die schönste Zeit war bei Herrn Stelle im Bereich der Liegenschaften!“,

erzählt sie mir und berichtet, dass zu dieser Zeit auch eine wunderbare

Freundschaft zu Wiebke Debes entstanden ist, die bis heute hält. Auch

meinen Kollegen Andi Klose erwähnt sie. „Wir konnten gerade auch nach der

Grenzöffnungszeit 1989/1990 so viel bewegen und so viel erleben in der

Stadt Goslar!“, berichtet Frau Hochreuter.

Sie erinnert sich an die Grenzöffnung. Ihr Mann war nach langer Krankheit

am 18.12.1989 gestorben. „Es war schön, dass er die Grenzöffnung noch

erleben durfte. Er war der glücklichste Mensch der Welt, als ihn die ersten

DDR-Bürger an der Grenze begrü.t haben!“

Nach ihrem Ausscheiden als städtische Mitarbeiterin engagierte sie sich u.

a. in der CDU und wurde 2001 in den Rat der Stadt gewählt. Diesem

gehörte sie eine Ratsperiode an. Gerade die Kultur war ihr wichtig. „In der

CDU war das damals nicht so ein wichtiges Thema. Da hat man

nur einen Heiligenschein über das ODEON gehängt, mehr war da nicht“,

sagt sie und lächelt.

„Ich wäre gerne länger dabei geblieben“, räumt sie ein. „Aber die Männer

haben die Ellenbogen ausgefahren und mich von aussichtsreichen

Listenplätzen verdrängt.“

An dieser Stelle bitte ich alle Leser um Verständnis, dass ich die Fortsetzung

der Gedanken von Frau Hochreuter mal bei mir behalte…….

Christine Hochreuter fand allerdings Erfüllung auch in anderen Bereichen

der ehrenamtlichen Arbeit. Sie engagierte sich zum Beispiel massiv in der

Seniorenvertretung und zwar im Zeitraum 2006 bis 2015.

Genau an der Stelle habe ich sie auch kennengelernt. Das Büro der

Seniorenvertretung war nämlich nach meinem Amtsantritt im heutigen Büro

des Ersten Stadtrats Burkhard Siebert und – beinahe Zimmer an Zimmer –

tauschte ich mich deshalb gelegentlich mit Frau Hochreuter aus; am

Liebsten zum Thema Fußball, denn Frau Hochreuter ist ein echter Bayern-

Fan. Und dieser Verein ist so meine „Herzenssache“ überhaupt nicht. (Mit

Werder immer Sieger und so!!! #lebenslanggrünwei.)

Nach der schönsten ehrenamtlichen Tätigkeit befragt antwortet Christine

Hochreuter schnell: „Die Arbeit im Vorstand des Frauenhauses war das

Schönste: Keine Ellenbogen und echte, wirksame Hilfeleistung für Frauen

und Kinder!“

„Ich habe mich immer engagiert. Schon für die Elternvertretung in der

Schule konnte ich nicht „Nein“ sagen“, so Hochreuter. „Christa macht des

schoa!“, war der Satz in Bayern.

Mich fasziniert Frau Hochreuter, insbesondere ihre Leidenschaft für das

Thema Fußball. Und weil mich der FC Bayern überhaupt nicht fasziniert,

musste ich sie natürlich fragen, wie man als Fränkin FC Bayern Fan werden

kann! „Als Fränkin ist man doch Clubberer, oder?“, frage ich. „Und als in

Goslar reingeschmeckter Oberfranke ist man auch keiner Werder-Fan“,

antwortet sie. „Nur weil es alle machen, muss man es ja nicht machen“,

ergänzt sie. Und so war sie in Franken mit ihrer Bayern-Leidenschaft schon

Exotin; aber sie war auch oft mit ihrem Vater bei den Fürthern… Jedenfalls

hat sie nach dem Tod ihres Ehemannes – gegen das „Alleinsein“ – einen FC

Bayern Fanclub gegründet. 1993 war das. Viele Besuche im Olympia-

Stadion wurden organisiert.

„Belit Onay war mit seinem Vater oft dabei“, erzählt sie. Einig sind wir uns.

Ein sympathischer Kerl, ein toller Botschafter unserer Stadt, ein engagierter

Landtagsabgeordneter und natürlich schauen wir auch gespannt auf seine

OB-Kandidatur in Hannover.

Politisch ticken Frau Hochreuter und ich ähnlich. Wir mögen die braunen

Zeitgenossen überhaupt nicht und wir beide sind leidenschaftliche Fans von

Angela Merkel. „Ohne Merkel wäre die CDU heute überhaupt nicht mehr so

stark, das sollten viele alte Männer mal nicht vergessen! Merkel nötigt mir

allerhöchsten Respekt ab. Das alles so durchzustehen – auch gegen die

Männer“, sagt Hochreuter.

„Und was kann der Oberbürgermeister in Goslar besser machen?“, frage ich

sie. Frau Hochreuter antwortet: „Seit es mir körperlich nicht mehr so gut

geht, merke ich, wie wichtig das Thema Barrierefreiheit ist. Wieviel

Unsicherheit und Ängste schon kleine Wege auslösen. Geländer, Pflaster,

Treppenstufen – wir müssen in Goslar das Thema im Hinblick auf die

alternde Bevölkerung stärker betrachten.“ Besonders gefällt ihr die

Fliegerhorstentwicklung. „15 Jahre war doch nur Gerede, jetzt geht es

richtig voran. Und immer wenn ich Besuch habe, zeige ich den Fliegerhorst

zuerst.“

Ich hätte gerne noch ein wenig geplaudert mit ihr. Aber leider gab es mein

Terminkalender nicht her, das Frühstück auszudehnen.

 

„Ich mag die Politik, Fußball und ab und zu einen Kuchen backen“, sagt

Frau Hochreuter.

Ich freue mich, sie wiederzusehen. Vielleicht beim Kaisermahl am Freitag?

Ganz sicher aber im Rahmen der Kaisserringverleihung am Samstag.

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