Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar/ Das Köpi

Nov 23, 2018 | Herzenssache

„Früher war mehr Lametta.“ Das wusste schon vor Jahrzehnten Opa Hoppenstedt in dem bekannten Weihnachts-Loriot-Sketch. Mit dem Spruch wollte er zum Ausdruck bringen, dass früher eben doch alles irgendwie besser war.

„Früher war mehr Lametta.“ Das gilt für viele Menschen auch für das Thema Kneipen und Wirtshäuser. Ich bin dabei, es stimmt uneingeschränkt: Die Kneipen- und Wirtshauskultur von einst gibt es so leider nicht mehr.

Rauchverbot, entstandene Dorfgemeinschaftshäuser und Vereinsheime, Bevölkerungsrückgang, verändertes Familienleben mit stärkeren Väterpflichten, Gesundheitsbewusstsein – jeder hat andere Argumente beizutragen.

Eine für mich sehr wichtige Begründung kommt immer wieder zu kurz: Es fehlt an mutigen Menschen, die ernsthaftes Interesse, ja Lust darauf haben, ein Wirtshaus oder eine Kneipe zu betreiben. Denn während die anderen Menschen im Freizeitmodus ihr Bierchen schlürfen, ist für die Wirte Arbeit angesagt. Und sicheres und hohes Einkommen gibt es an andere Stelle vielleicht auch leichter… 

Aber, es gibt sie. Es gibt noch Kneipen und es gibt die Typen, die sie auch betreiben. Orte und Räume, in denen in denen man sich trifft, trinkt, spricht, raucht – unter Leuten ist. Der „Specki“ gehört für mich dazu, in Garmisch in der Zugspitzstraße. Oder das „Manns-Bräu“ in der Friedrichstraße in Bayreuth. Aber ganz sicher, und für mich ganz vorne, das Köpi in der Worthstraße in Goslar. 

Ich mag das Köpi. Ich mag die Atmosphäre sehr! 

Ich mag es, dass man hier die Goslarer trifft – alt und jung. 

Ich mag es, dass ich nur dann über Politik reden muss, wenn ich es gerne möchte.

Ich freue mich darüber, dass im Köpi auch Fußball geschaut werden kann. 

Und ich schätze es – obwohl ich ja vorwiegend Nichtraucher bin –, dass auch geraucht werden darf. 

Ich mag es, dass es das Bier auch aus kleinen Gläser gibt. Das trinkt sich nämlich schneller und ist frisch….

Ich mag es, dass es in Goslar eine solche großartige Bierkneipe gibt, die so überhaupt nichts mit Schmuddel und Siff zu tun hat. 

Und ich mag die Gastgeber sehr, Lars den Chef, aber auch seinen Lebenspartner und kongenialen Gastgeberkollegen Daniel. 

Ob man sich als Gast in einer Kneipe wohlfühlt, hängt doch sehr stark von den Gastgebern ab. Denn die müssen Spaß am Bewirten von Gästen, „Lust auf Menschen“ haben. Die hat Lars. Er erzählt und flachst mit seinen Gästen, ist immer „so lieb“, wie eine Dame an der Bar findet. Auf Nachfrage sagt Lars aber total bestimmt: „Oh, zickig kann ich auch. Und wie!“ Und das alles gilt doch für Daniel gleichermaßen. 

Und wie kommt nun Lars Piko zum Köpi bzw. das Köpi zu ihm? Jedenfalls wurde Lars nicht im Köpi geboren. Er erzählte mir, dass er vor Jahren – also nach der Schule – gern in das Hotelgewerbe gehen wollte. Hotelkaufmann zu werden, war sein allergrößter Traum. Aber wie das so oft mit den Berufsträumen ist, es kommt meist anders. Und so lernte Lars Piko Kaufmann im Einzelhandel. Nach einigen Jahren Berufserfahrung im Ausbildungsbetrieb wechselte er aus dem klassischen Einzelhandel in den Flächenmarkt. Bei dieser „Mega Company“ übernahm Lars die Leitung der Telekommunikationsabteilung. Nach ein paar Jahren verantwortungsvoller Tätigkeit wechselte er dann in den Geschäftskundenvertrieb für T-Mobile. Seine Themen waren jetzt Business-Lösungen und Mobile Office. 

In all der Zeit, in all den Jahren, hat Lars aber immer nebenher in der Gastronomie gearbeitet. „Es ging nie ohne!“, sagt Lars heute. 

Und wie ist nun der direkte Bezug zum Köpi? – Den gibt es seit Herbst 2013. Damals führte Lars‘ Freundin Angela Preiss noch das Köpi 2012. Sie brauchte Hilfe, und Lars war, wie es sich für einen guten Freund gehört, zur Stelle. Im Frühsommer 2014 sprach Köpi-Eigentümer Holger Szablewski Lars an, ob er sich vorstellen könne, die Kneipe mal zu übernehmen. Holger Szablewski hatte im Jahr 2012 mit viel Liebe zum Detail, mit Geschmack und Sinn für das Schöne sowie einer großen Technik-Affinität das Köpi renoviert: Eine neue Musikanlage der Spitzenklasse, neurenovierter Innenhof, Lederpolster, neue WC’s – dazu noch eine Spirituosen-Auswahl, die in Goslar ihres Gleichen suchte, rundeten sein Konzept ab. Holger Szablewski und Lars verhandelten und nach – so erzählt Lars – nur einem längeren Gespräch, einer schlaflosen Nacht, diversen Zigaretten und einer Flasche Wein war klar: Ja! Ich will!!! 

So übernahm dann Lars im September 2014 kommissarisch die Geschäftsleitung und hat zum 01.01.2015 das Köpi übernommen. Im Frühjahr 2015 wurde aus dem Köpi zwanzig 12 wieder das Köpi am Markt. So hieß es die vielen Jahre vorher auch. Wie lange schon es eigentlich schon eine Kneipe in der Worthstraße 10 gibt, weiß ich nicht, aber mir kann es auch keiner so wirklich sagen… 

Bis heute hat Lars eine ungebremste Lust am „selbst und ständig“ arbeiten. Zusammen mit Daniel und einem tollen Team ist es ganz sicher in den vergangenen Jahren gelungen, das Köpi zu einem der beliebtesten Treffpunkte in Goslar zu etablieren. Im Köpi trifft man sich eben. Auch ich habe schon viele schöne Abende im Köpi erlebt – wie andere eben auch. 

Als Lars das Köpi übernahm, hat sich auch ein Stammtisch dort angesiedelt. Jeden Donnerstag kommt die Truppe – bis zu neun Personen –an ihren Tisch im Köpi und klönt bei einem Bierchen über Politik, Goslar und vor allem Reisen. Das älteste Mitglied wird bald 86 Jahre alt. Vor gut 20 Jahren entstand der Stammtisch und war zunächst in der Minna beheimatet. Es folgten das Bugaboo, die Weite Welt, und der Bierbrunnen, bevor die Stammtischler das Köpi für sich entdeckten. „Das ist die schönste Bierkneipe in Goslar. Hier fühlen wir uns wohl.“ 

Aber auch Gäste von außerhalb sind begeistert von unserem Köpi. Vor drei Jahren feierten wir 50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Goslar und Arcachon in Frankreich. Und wir feierten diesen runden Geburtstag mit einem würdigen Festakt in der Kaiserpfalz. Danach gab es ein festliches Abendessen im Brusttuch und nachdem dieses Abendessen aufgelöst wurde und wir über den verschneiten Weihnachtsmarkt nach Hause bzw. in die Hotels wollten, machte ich den französischen Freunden – angeführt von Oberbürgermeisterkollegen Ives Foulon – den Vorschlag, noch ein allerletztes schnelles Bier im Köpi zu trinken. Die Franzosen willigten ein, und wir erlebten noch 2 oder 3 heitere Stunden im Köpi….. Vor wenigen Monaten beim Familienurlaub in Arcachon traf ich meinen Amtskollegen privat. Wir kamen dabei auch auf die Jubiläumsfeierlichkeiten in Goslar zu sprechen. Ich fragte Ives, welcher Programmpunkt für ihn in ganz besonders positiver Erinnerung geblieben ist und war einigermaßen überrascht, als er tatsächlich den Besuch im Köpi nannte. Es sei ihm alles in Goslar in so guter, positiver Erinnerung. Aber die „inoffizielle Geburstagsparty im Köpi“, die hat sich bei ihm stark eingebrannt. 

Das Köpi ist eben nicht nur Treff für uns Goslarer, sondern auch für Touristen und Gäste unserer Stadt. Von diesen Gästen kam immer wieder die Nachfrage im Köpi nach guten Gästezimmern und so entstand bei Lars und Daniel die Idee, Ferienwohnungen zu vermieten. Im August 2017 starteten die beiden dann die „FeWo Goslar mit den Köpi Appartements“. Direkt über dem Köpi befinden sich drei moderne und sehr gemütliche Ferienwohnungen, die sehr eifrig nachgefragt werden. 

Wenn die Gäste also nach dem letzten Bier die Treppe hochstolpern und sich aufs Ohr hauen, bringen Lars und Daniel die Kneipe für den nächsten Tag wieder auf Vordermann. 

Alles wird aufgefüllt, die Gläser gespült, die Tische gewischt. „Hier ist noch nie ein Glas auf dem Tresen stehen geblieben“, sagt Lars. 

Für die Köpi-Männer gelte das gleiche Motto wie für seine Oma: „ Weihnachten ist gelaufen, wenn das gute Geschirr wieder im Schrank steht.“

Das Köpi ist eine echte Bereicherung für Goslar und hilft auch dabei, sich wohlzufühlen in der Stadt, in meiner Wahlheimatstadt – das verbindet mich mit Lars. 

„Goslar ist mein zu Hause geworden. Kennst Du das, wenn man über die A395 von Wolfenbüttel kommt, der Wald zu Ende ist und vor einem der ganze Harz auftaucht? Ein Seufzer und das Wissen: in 15 Minuten bin ich wieder zu Hause!“ – so Lars. 

Es gäbe noch so viele Geschichten zu erzählen, von Lars und Daniel und ihren Gästen. Es tummeln sich wirklich ganz unterschiedliche Menschen und Biographien im Köpi. Die Altersunterschiede verschwimmen deutlich. Ein junges Mädel, vielleicht 20, erzählt, dass sie so gern mit ihren Freundinnen ins Köpi kommt. „Hier sind immer tolle Leute, hier kann ich vernünftig angezogen hingehen und Daniel macht den besten Mojito.“ 

 Ich könnte auch noch etliche Geschichten erzählen, z. B. von der super Party nach dem letzten Goslarschen Pancket. Lars wollte gegen halb zwei schon abschließen, als ein kleiner noch trinkfreudiger Trupp aus der Kaiserpfalz – nach einem Zwischenstopp in der Weiten Welt – gegen 2 Uhr in der Früh das Köpi richtig eingenommen hat. Deutlich über 50 Menschen haben das Goslarsche Pancket erst nach 4 Uhr beendet. Auch diese Stunden im Köpi sind vielen auswärtigen Gästen, die wir begrüßen durften, bis heute in ganz prächtiger Erinnerung geblieben, wie ich aus vielen Gesprächen vernommen habe. 

Aber ich bin sicher: Es ist viel besser, die Geschichten über das Köpi nicht zu lesen, sondern selbst zu erleben… Ich möchte mit dieser „Herzenssache“ Lars & Daniel einfach ganz ehrlich Dankeschön sagen.

Danke! 

Danke für so ganz viele schöne Stunden im Köpi, mit meiner Frau Bettina, mit Freunden, mit Bekannten, mit Menschen. 

Und als Ausdruck meines Dankes habe ich Lars und Daniel am vergangenen Donnerstag 1.000 Bierdeckel vorbeigebracht. #Herzenssache #Köpi – “Prost!” bleibt mir abschließend zu sagen.

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