Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar/ Momo

Jul 30, 2021 | Herzenssache

Momo: *02.03.2006 +16.07.2021

 

Unsere Momo hat uns sehr viel gegeben und sie war treue Wegbegleiterin über 15 Jahre. Aber auch ein Hundeleben ist endlich und für einen Labrador ist sie wahrlich richtig alt geworden. Wir haben uns für die schöne gemeinsame Zeit oft bei ihr bedankt. Das möchte sie heute auch tun.

 

Ich hatte ein schönes Hundeleben bei Euch! Danke dafür. Michael Zartner hatte mich eigentlich für sich „aufgehoben“. Aber Bettinas verliebten Augen konnte er nicht widerstehen. Das war ein spannender Wurf. Zwei Geschwister von mir waren schwarz, zwei hell und mit mir noch ein Bruder braun. Momo wurde ich genannt, obwohl ich doch kein Rüde war. Aber Michael Ende hatte seine Hauptperson mit den braunen Augen eben Momo genannt.

 

Mit 12 Wochen bin ich in der Jahnstraße in Bayreuth eingezogen und wurde über Wochen die 104 Stufen in den 3. Stock getragen. Frauchen und Herrchen hatten gelesen, dass Treppensteigen für junge Hunde nicht gesund sein soll. Es war eine ganz bequeme Zeit. Ärger gab es nur, weil ich in einem kleinen Wutanfall Topfpflanzen zerstören musste. Irgendwie musste ich aber deutlich machen, dass ich nicht zu lang alleingelassen werden wollte. Angst hatte ich nur vor Otmar Hörls Russ, Wagners Hund. Dieser Kunststoffneufundländer in der Größe 80x40x70 cm stand schon damals im Wohnzimmer herum und hat bis heute jeden Umzug unbeschadet mitgemacht. Ich habe den Hund irgendwann mit Nichtachtung gestraft. Und die Freude von Bettina und Oliver als ich erstmals gebellt habe – das wurde mir zunächst überhaupt nicht zugetraut. Rennen und Springen und Toben habe ich in der Eremitage in Bayreuth gelernt. Dort waren wir wirklich oft unterwegs, später auch Joggen. Ein entspanntes Jahr mit Tina und Oliver.

Dann wurde es unruhig. Den Umzug in den Sentaweg und die Geburt von Lotta musste ich verkraften. Auf einmal galt mir nicht mehr die ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit. Aber toll war das damals schon: Endlich ein eigener Garten und ein schönes Laufgebiet hinter dem Festspielhaus. Und Lotta hatte mich ja auch lieb; auch wenn sie mich manchmal zu doll am Ohr gezogen oder in den Augen rumgepult hat. Aber ich wurde immer gut behandelt und nie verhauen. Das habe ich weitergegeben. Menschen habe ich nie gebissen. Nur in den letzten Lebensmonaten – das Augenlicht wurde trüb – habe ich beim Leckerliefressen auch gerne mal den Finger mit im Maul gehabt. Aber die Zähne waren ja auch nicht mehr so spitz wie früher. Zurück zum Sentaweg: Das Rudel wurde noch größer. Inga kam dazu und mein Lieblingsplatz war zwischen den beiden Kinderzimmern. Ich musste doch jetzt auf die beiden Kleinen aufpassen. Meinen schönen Garten, das großartige Zuhause und die freundlichen Spielgefährten habe ich dann eingetauscht gegen eine neue Heimat in Goslar.

In der Bergdorfstraße in Goslar habe ich mich wirklich super wohlgefühlt. Gartentürchen auf und schon war ich auf dem Blauen Haufen. Und da habe ich bei jedem Ausflug freundliche Spielgefährten getroffen. Und Frauchen und Herrchen konnten so schnell Kontakte knüpfen. Ja, wir Hunde sind echte Netzwerker. Der Blaue Haufen ist ein so ein riesiges Hundeparadies mit herrlichem Blick auf die Stadt.

 

Vier Jahre Bergdorfstraße, dann kam der nächste Umzug. 2014 waren wir schon ein richtig großes Rudel: Lotta, Inga, Ida, Lisa, Bettina und Oliver. Frauchen und Herrchen hatten ein Haus in Goslar gekauft. Auch hier ein schöner Garten und meine Laufrunde verlagerte sich eher in Richtung Bollrich und Segelflugplatz. So wie die Kinder schnell groß geworden sind und manchmal sogar ermahnt werden mussten, mit mir Gassi zu gehen, so schnell bin ich auch alt geworden. Ehrlich, diesen Oliver habe ich beim Joggen immer abgehängt. Aber ich kann mich noch gut an meine letzten Laufrunde mit ihm erinnern. Ich habe die 7,5 km einfach nicht mehr geschafft; musste mich irgendwann hinlegen. Aber er hat auf mich gewartet. Nur gerecht, hatte ich nicht jahrelang auf ihn beim Laufen gewartet.

 

Aber ich war ja nicht nur Zuhause. Hatte ich eigentlich von meinen Urlauben berichtet?  Fast immer durfte ich dabei sein. Schön, dass ich während diesen besonderen Jahreshighlights nicht ins Heim abgeschoben wurde. Zugegeben, Skiurlaube haben ohne mich stattgefunden. In besonders guter Erinnerung habe ich die Wohnwagenurlaube in Arcachon und Baden. War das stark, das Zuhause immer dabei. Ein Lieblingsort war Walkenried. Das war mein Robinson-Club. Drei Mahlzeiten am Tag, pünktlichst. Feinstes Fressen. Steffi und Klaus haben es mir manchmal nicht leicht gemacht, wieder ins Auto zu Krabbeln. Mein Versteck unter der Garderobe war jedenfalls so gut, dass ich auch mal „vergessen“ wurde. Gut gemacht Momo.

 

Im Sommer 2019 ging es mir wirklich nicht gut. Mein Rudel machte sich richtig Sorgen. Friederike Mateo und Anke Siebe haben sich neben „meinem“ Rudel ganz besonders um mich gekümmert. Und das Rudel entschied zu der Zeit, dass ein Hund im Haus sein muss, auch wenn ich dieser Hund nicht mehr sein darf und kann. Und deshalb bereicherte uns Wilma ab dem Januar 2020. Und irgendwie dachte ich damals an Gorbatschow: „Totgesagte leben länger“. Der junge Hund hat mir jedenfalls nochmal richtig Luft gegeben. Ich hatte ja auch Verantwortung dafür, die freche Wilma zu erziehen. Abgesehen von zerstörten Fernbedienungen und Schuhen ist mir das auch einigermaßen gut gelungen. Meine ich wenigstens.

 

Tja, aber jetzt ist mir dann eben doch die Luft ausgegangen. Das war zum Schluss kein richtiges Hundeleben mehr. Ich erspare Euch Einzelheiten. Aber mein Leben war rund, es war schön und ich behalte diese über 15 Jahre mit und in meinem Rudel in dankbarer Erinnerung. Lotta, Inga, Ida und Lisa kannten ja bisher ein Leben ohne mich überhaupt nicht. Aber sie werden sich daran gewöhnen (müssen). Sie haben würdig von mir Abschied genommen. Liebes Rudel Junk, ich danke Euch!

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