Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar / Barbara Trumpfheller

Mrz 16, 2019

Meine “Herzenssache” möchte ich heute Frau Barbara Trumpfheller widmen.
Gestern wurde im Großen Heiligen Kreuz Barbara Trumpfheller nach 38
Jahren segensreicher Arbeit für den Hospizverein Christopherus Haus e.V.
offiziell verabschiedet.
Und kann es einen passenderen Ort dafür geben als dieses Große Heilige
Kreuz? Denn der Hospiz-Gedanke wurzelt im mittelalterlichen
Hospitalwesen. Hospitäler waren nicht – wie wir es vielleicht aus dem
heutigen Sprachgebrauch rückschließen wollen – in erster Linie
Einrichtungen der Krankenpflege, sondern „Gasthäuser“ (hospes=Gast) für
alle diejenigen, die aus den unterschiedlichsten Gründen hilfebedürftig
waren: Bettler und Pilger, Waisen und alte Menschen.
Für alle, die keine Angehörigen hatten, die Krankenpflege und Altenfürsorge
leisteten sorgten Kirchen, Klöster, Bruderschaften und zunehmend ab dem
13. Jh. die Städte, vornehmlich in Institutionen wie den Hospitälern als
sozial- karitative Einrichtungen. In Goslar sind bis zum Ende des
Mittelalters zehn Hospitalgründungen nachweisbar. Das Große Heilige
Kreuz, als eines von heute fünf noch als Gebäude erhaltenen, zeugt also von
solcher Fürsorge.
Und diese Fürsorge, das „für andere sorgen“ hat auch das Wirken von
Barbara Trumpfheller bestimmt. Ihr haben wir es zu verdanken, dass es das
Hospiz hier in Goslar gibt.
Ich durfte das Haus 2012 kurz nach meinem Amtsantritt im Zusammenhang
mit dem damals zehnjährigen Bestehen kennenlernen und war tief
beeindruckt von den freundlichen Räumlichkeiten und der angenehmen
Atmosphäre, die dort herrscht. Für ihr Hospiz hat Frau Trumpfheller lange
gekämpft.
Als gelernte Krankenschwester kam sie schon als junger Mensch in
Berührung mit Schwerkranken und Sterbenden und so entstand bei ihr
bereits früh der Wunsch, ein Hospiz zu gründen.
Auch später dann als Leiterin des Alten- und Pflegeheimes Krugwiese war
sie viele Jahre in der Sterbebegleitung engagiert.
Im Jahr 1981 hat Barbara Trumpfheller mit dem Christophorus-Haus e.V.
den ersten Hospizverein Deutschlands gegründet.
Die Hospizarbeit begann mit der ambulanten Betreuung und Begleitung der
Pflegebedürftigen zuhause in ihrem gewohnten Umfeld. Dies wird auch
heute noch vorrangig praktiziert, da es das Anliegen der Hospizbewegung
ist und auch der Wunsch der meisten Patienten. Der Gedanke, ein Hospiz zu
bauen, hat Frau Trumpfheller allerdings nie losgelassen. Der Weg bis zur
Einrichtung eines ehrenamtlich geführten stationären Hospizes war lang
und steinig, aber sie hat den Plan hartnäckig und mit selbstlosem Einsatz
verfolgt. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich der Satz: „Für revolutionäre
Ideen ist Goslar ein schweres Pflaster. Man braucht einen langen Atem,
wenn man – ohne Kompensationsgeschäfte – Ziele erreichen möchte.“
Annelies Tschupke hatte mit diesem Satz im Jahre 2009 ihre Laudatio auf
Frau Trumpfheller bei der Verleihung des Karl-Wiehenkel-
Preises begonnen.
Barbara Trumpfheller hat einen langen Atem bewiesen und unermüdlich
gekämpft. Sie hat Rückschläge hingenommen und sich nie entmutigen
lassen. Nur dank der unermüdlichen Bereitschaft Frau Trumpfhellers, das
Privatvermögen einzubringen, konnte im Jahr 2002 endlich das Goslarer
Hospiz in dieser wunderschönen Umgebung gebaut werden.
Im Januar 2003 nahm es seinen Betrieb auf. Damit erfüllte sie sich einen
Lebenswunsch.
Frau Trumpfheller war selbst ehrenamtlich im Einsatz, um Sterbenden,
Schwerkranken und deren Angehörigen beizustehen und leistete
Trauerarbeit in den Familien. Sie zeichnet sich durch besonderes
Einfühlungsvermögen und großes Fingerspitzengefühl im Umgang mit den
Gästen und Angehörigen aus.
Das hat auch Landrat Thomas Brych in einer sehr eindrucksvollen und
persönlichen Rede im Großen Heiligen Kreuz zum Ausdruck gebracht.
Solche Eigenschaften kann man nicht erlernen kann, sondern sind einem
gegeben. Es stehen Hospizhelferinnen und –helfer zur Seite, die Frau
Trumpfheller auch regelmäßig ausbildete. Diese Ausbildung lag ihr sehr am
Herzen.
Der Tod bleibt oft ein Tabuthema. Viele sind unsicher, wie sie mit Menschen
umgehen sollten, die in Trauer sind, haben Berührungsängste und meiden
vielleicht den Kontakt. Dabei gehören Leben und Tod doch zusammen. Man
könnte sagen: „Leben mit dem Tod“ – das tun wir doch alle! Dennoch lassen
wir uns vieles einfallen, um unsere eigene Endlichkeit zu vergessen. Es ist
schwer, einzusehen, dass das Leben zu Ende geht. Und dieses Ende kann ein
langer Prozess sein, der mit körperlichem und seelischem Leid verbunden
ist. Die Betroffenen und ihre Angehörigen sind hier besonders auf Hilfe und
Unterstützung erfahrenen, mitfühlenden Betreuerinnen und Betreuern
angewiesen.

Dabei wissen diejenigen, die viel Zeit für die Begleitung aufbringen, dass sie
auch selbst dabei etwas gewinnen. Barbara Trumpfheller machte die
Erfahrung, dass Begegnungen mit Schwerstkranken häufig von
Aufrichtigkeit und Nähe geprägt sind. Gleichwohl ist es eine anspruchsvolle
und schwierige Aufgabe, die Kraft kostet und die Anerkennung verdient.
Die Leistung von Frau Trumpfheller, gemeinsam mit allen Helferinnen und
Helfern ist von unschätzbarem Wert für die Menschen, die auf diese
Angebote angewiesen sind. Aber auch für uns alle ist es gut zu wissen, dass
es diese Form der Unterstützung und des Rückhalts in unserer Stadt gibt. In
den 1980er Jahren war der Hospizgedanke etwas völlig Neues. Frau
Trumpfheller hat ihn dennoch trotz aller Schwierigkeiten nach Goslar
gebracht und die Goslarer nehmen das Hospiz an. Auch in der Region ist es
eine feste Institution geworden.
Dem besonderen Engagement von Barbara Trumpfheller über die
Jahrzehnte ist es zu verdanken, dass das Hospiz zu einer festen Institution
in der Region geworden ist und schon viele Bürgerinnen und Bürger davon
profitieren konnten.

Deshalb war es im Rahmen ihrer offiziellen Verabschiedung angezeigt, dass
Goslar Frau Trumpfheller auch etwas zurückgibt. Und mit großer Freude
und großer Dankbarkeit durfte ich ihr deshalb gestern die Ehrennadel der
Stadt Goslar verleihen.
Nach den Richtlinien für die Verleihung kann die Ehrennadel an
Persönlichkeiten verliehen werden, die das allgemeine Wohl der Stadt oder
ihrer Bürgerinnen und Bürger durch besondere Leistungen gefördert haben.
Und genau das trifft auf Frau Trumpfheller zu.
Ich habe große Hochachtung, dass Frau Trumpfheller und alle in diesem
Bereich ehrenamtlich Tätigen sich den mit der Hospizarbeit verbundenen
Aufgaben stellen und mithelfen, das Sterben menschlich und in Würde zu
gestalten.
Herzlichen Dank an Frau Trumpfheller und ihr Team, dem ich für die weitere
Hospizarbeit viel Kraft und Stärke wünsche, den Menschen die Last des
Abschiednehmens ein wenig zu erleichtern und sie nicht allein zu lassen.
Meine #Herzenssache #Goslar: Frau Barbara Trumpfheller

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