Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar/ Gärten der biologischen Vielfalt

Mai 18, 2020

Brauchen wir Neubaugebiete und die Konzentration auf Wohnungsthemen

in einer Stadt, die Einwohner verliert? Darüber wurde in der Stadt Goslar

vor acht Jahren sehr intensiv diskutiert. Ich hatte diese Themen in meinem

Wahlkampf 2011 besetzt und die Auffassung vertreten, dass gerade eine

Stadt, die Bevölkerung verliert, sich um attraktiven Wohnraum kümmern

muss. Die Strategie war richtig. Beweis ist die starke Nachfrage nach den

Baugrundstücken auf dem Fliegerhorstgelände, in Hahndorf, am Hohen

Brink, in Wiedelah. Und auch die Statistik belegt, dass wir seit dem Jahr

2012 in Goslar mehr Zuzug als Wegzug haben.

 

 

Mit den Entwicklungen der „Neubaugebiete“ haben wir in der Verwaltung

und im Rat intensiv darüber diskutiert, wie stark wir die Häuslebauer zu

ihrem „grünen Glück“ zwingen müssen. Wie strikt sind unsere Vorgaben im

Hinblick auf Versiegelung von Flächen und die „Genehmigung“ von

Schottergärten. Interessant war in diesem Zusammenhang auch die Frage,

wie wir eigentlich solche Vorgaben in 10 oder 20 Jahren kontrollieren…..

Im Ergebnis sind wir heute nicht ganz so regulierungswütig wie in

Großstädten und trauen den Bürgerinnen und Bürgern auch einen

verantwortungsvollen Umgang mit Natur, den Tieren, der Umwelt und dem

Klima zu. Der Blick in manche Vorgärten lässt aber dann hier und da doch

wieder Zweifel aufkommen…….. Lassen wir es für heute einfach mal so

stehen.

 

Jedenfalls bin ich vor zwei Monaten über einen Bericht in der Goslarschen

Zeitung gestolpert. Ein Buchhinweis wurde gegeben, die „Gärten des

Grauens“ beschrieben.

Und nach der Lektüre (von GZ Bericht und dem Buch) hatte ich folgende

Idee: Warum nicht die Menschen einfach mal sichtbar machen, die sich

mit Leidenschaft und Engagement nachhaltig in und mit ihren Gärten um

Artenvielfalt und Naturschutz verdient machen?

Schnell und unkompliziert hatte ich dann eine „Expertenrunde“ eingeladen

und – vielen Dank dafür!! – keine Absage erhalten. Dr. Friedhart Knolle,

Sprecher der Umweltverbände NABU und BUND, Hubert Spaniol,

Vorsitzender der Natur- und Umwelthilfe Goslar, Christiane Kalbe als

Gesch.ftsführerin der Friedhofsgärtnerei Kalbe, Gaby Dwornitzak,

Gesch.ftsführerin Garten-Center Nordharz, Gerolf Briegel, Leiter des

Goslarer Betriebshofes, sein MitarbeiterChristian Beranek sowie meine

Verwaltungskollegin Claudia Peters, zuständig für Öko-Kontrolle im

Naturhaushalt und Landschaftsplanung sagten zu und erarbeiteten mit mir

Bewertungskriterien für Gärten der biologischen Vielfalt!

Und unter anderem sind wir auf folgende Kriterien gekommen

An die Nahrung für die Tiere und Insekten ist zu denken, etwa:

o Abdeckung verschiedener Blühzeiten (Frühling, Sommer, Herbst,

aber auch für nachtaktive Insekten)

o Verschiedene insektenfreundliche (heimische) Blumen und Sträucher

(inkl. Abstandsregelungen, Beachtung von Licht und

Bodenverhältnissen)

o Keine gefüllten Blumen und züchterisch veränderte Sorten, sondern

nektar- und pollenhaltige

o Wildblumenwiesen/wilde Ecke mit heimischen Kräutern (nur 2x

jährlich mähen)

o Wasserquelle

o Komposthaufen

Weiterhin auch an Nistmöglichkeiten und Unterschlupfmöglichkeiten, z. B.

o Nistkästen für Vögel

o Duldung von Nestern/Bauten am Haus

o Sandige Flächen für Wildbienen

o verblühte Pflanzenstängel stehen lassen

o Felssteine

o Totholzstapel

o Insektenhotel

o Lehm-/Ton-/Löss-Ecke

o Laubhaufen

Wichtig ist nicht die Größe der Gärten, sondern die Haltung, die

Einstellung zum Thema Umweltschutz.

So wollen wir die Menschen auszeichnen, die keine Pestizide, Essig/Säure

oder Salz zur Unkrautbekämpfung einsetzen, insektenfreundliche

Beleuchtung installiert haben oder wassersparend Gärtnern.

Und auf solche „Gärten der Vielfalt“ wollen wir hinweisen, sie

zeigen. Gärten, die durch besondere Blütenvielfalt, Nistgelegenheiten oder

andere Vorzeigemaßnahmen ökologisch wertvoll sind.

Jetzt im Juni starten wir unseren kleinen Wettbewerb im Stadtgebiet

Goslar. Teilnehmen können alle Besitzerinnen und Besitzer eines Gartens

unabhängig von der Größe.

 

Meine Kolleginnen und Kollegen haben eine Internetplattform gebastelt,

https://machmit.goslar.de.

Hier könnt Ihr Euch mit Eueren Gartenbildern bewerben!

Wer noch nicht digital unterwegs ist, kann auch ein gedrucktes Formular im

Bürgerbüro der Stadtverwaltung abholen und später ausgefüllt zusammen

mit Fotos wieder abgeben.

Wichtig ist die Beschreibung des Gartens: Was zeichnet ihn aus, welche

Details machen ihn besonders umweltfreundlich oder hilfreich für

bestimmte Tierarten? Auch die Geschichte hilft der Jury bei ihrer

Bewertung: Wurde der Garten gerade erst angelegt, extra für die Tier- und

Pflanzenwelt umgestaltet oder ist er bereits seit Jahrzehnten ein Paradies

für Schmetterlinge, Schwalben oder andere Tiere? Was motiviert Euch,

treibt Euch an?

Also, auf geht’s! Macht mit!!!!

Wir haben uns bewusst gegen ein Preisgeld oder einen

Gartenbaumarktgutschein entschieden, um den Sieger oder die Siegerin

auszuzeichnen. Vielmehr haben wir vor, dass die Gärten, die von der Jury

tatsächlich als Garten der ökologischen Vielfalt bewertet werden können, in

einer kleinen Publikation zusammengefasst werden und so als gutes Beispiel

für viele andere Menschen dienen kann, um den heimischen Garten für

Tiere und Pflanzen aufzuwerten oder zu verbessern.

Außerdem erhalten so alle Prämierten eine „Erinnerung“ für die Teilnahme

am Wettbewerb.

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