Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar / Dirk Walter

Aug 21, 2019

Wir kennen sie alle, die großen Fussballtrainer wie Ernst Happel, Erich

Ribbeck, Udo Lattek, Otmar Hitzfeld – nicht zu vergessen Otto Rehagel.

Aber auch bei uns in Goslar gibt es große Trainer.

Und insbesondere nach seinen Erfolgen in der vergangenen Saison mit dem

SV Rammelsberg gehört Dirk Walter ganz sicher dazu.

 

Zeit für eine „Herzenssache“ meine ich. Und bestimmt auch deshalb, weil

Dirk Walter nicht nur ein erfolgreicher Trainer, sondern ein wirklich sehr

sympathischer Typ ist.

Die meisten Fußballaffinen sitzen – so wie ich – entweder vor dem

Fernseher bzw. im Stadion. Dann gibt es noch die mit Talent oder höherem

Ehrgeiz, die stehen selbst auf dem Spielfeld. Die Aufgabe als Trainer oder

Schiedsrichter wird seltener übernommen.

 

Foto: Uwe Epping

 

Wie ist Dirk Walter überhaupt dazu gekommen, Trainer zu werden?

Ich habe ihn vor dem jüngsten Heimspiel gegen die 2. Mannschaft aus

Wolfenbüttel befragt und ihm vor dem Spiel ein wenig über die Schulter

schauen dürfen.

Er berichtete mir, dass er in seinen Jugendmannschaften nahezu immer

auch das Amt des Mannschaftsführers innehatte. Deshalb war er zwingend

im Austausch mit dem Trainer zum Thema Taktik und Aufstellung.

Und genau das setzte sich dann auch als Spieler im Herrenbereich fort.

Und so hat Dirk Walter nach seiner aktiven Zeit Lust auf die Aufgabe als

Trainer bekommen, erst für den Jugendbereich, später dann für die Herren.

„Wie sah denn so Ihr sportlicher Werdegang und der Einstieg in Ihre

Trainerkarriere aus?“ war meine nächste Frage.

„Im Jahr 1966 (damals war ich 8 und der Kleinste) hatte ich mein erstes

Spiel in St. Andreasberg und wir verloren 0:26 in 2 x 20 Minuten! Puh,

dachte ich, das muss besser werden und so war es. In meinem zweiten Spiel –

das wir nur 0:9 gegen den SV Lautenthal verloren hatten – war ich derjenige,

der jeden Einwurf, Freistoß und Eckball ausführen durfte. Diese Situation

prägte meine ganze Fußballerkarriere und so kam es wie es kommen musste:

1996 wurde ich Spielertrainer in Seesen bei meiner ersten Trainerstation.“

so Walter.

Zwischen seinen Antworten beobachtet Dirk Walter seine Spieler beim

Aufwärmen und studiert nochmal die Aufstellung des Gegners aus

Wolfenbüttel.

Zurück zum Fussball. Warum war nun Dirk Walter in der Vorsaison mit dem

SV Rammelsberg so erfolgreich?

Dirk Walter antwortet wie folgt: „ Als Trainer ist man mehr als ein

Übungsleiter. Ich versuche – wenn die Jungs es zulassen – Werte zu

vermitteln. Kameradschaft, Wille, Ehrgeiz und Respekt stehen für mich an

erster Stelle und das versuche ich vorzuleben. Ehrlich, das gelingt mir mal

sehr gut und manchmal sind die Widerstände so groß, dass es besser ist sich

nicht zu verbeißen!“

 

 

Foto: Uwe Epping

 

Es scheint zu funktionieren. Denn auch das Heimspiel gegen Wolfenbüttel II

gewinnt Walters Mannschaft, vielleicht nach dem Verlauf der 1. Halbzeit

etwas glücklich, mit 1:0. Der SV Rammelsberg hat nun schon zwei Heimsiege

in der neuen Saison eingefahren und steht auf dem 6. Tabellenplatz.

Aber als Trainer ist man noch mehr. Da hilft Dirk Walter auch mal bei

Bewerbungen, ist Ansprechpartner für privaten Kummer oder berufliche

Sorgen.

„Das gehört dazu! Aber meine Jungs beim SV Rammelsberg sind echt klasse.

Eine super Mannschaft, super Jungs!“ Und Walter erklärt mir, dass das

Gefüge der Mannschaft stimmt. Es wird eben kein Geld bezahlt.

Und auf die Niederlage gegen den GSC angesprochen sagt Walter, dass die

Niederlage in der Liga und auch im Pokal gegen den GSC heilsam war. „Das

erdet nach der Aufstiegseuphorie beim SV Rammelsberg!“.

Dirk Walter ist gerne Trainer am Trebnitzer Platz. Das ist zu spüren. Und er

war nach seiner erfolgreichen Arbeit beim FC Othfresen eigentlich schon in

Fußballrente.

Aber meine städtischen Verwaltungskollegen Andreas Zimmer und Felix

Görtz sowie Rainer Kurs haben Dirk Walter überzeugt, dass er der richtige

Trainer zu dieser Zeit für den SV Rammeisberg war und ist.

„Da es keine intakte Mannschaft gab, gab es auch kein Potential und genau

das war die Herausforderung, die mich reizte, das Traineramt beim SV

Rammeisberg zu übernehmen!“ so Walter.

Auf meine Frage, welchen großen Club – BVB, FC Bayern, Werder,

Barcelona Manchester United, er gerne mal trainieren würde, überrascht

mich die Antwort nicht:

„ Natürlich den SV Werder Bremen. Ein Club mit wahnsinnigem Ehrgeiz, viel

Akribie und großer Bodenständigkeit. Meine Frau und ich sind

Vereinsmitglieder und Dauerkarteninhaber. Auch bin ich Mitglied in einem

besonderen Fanclub: dem „Grün-Weiß Leineschloß“ und habe regelmäßig

Kontakt zur Vereinsführung vom SVW!“

Dirk Walter drängelt. Er will jetzt vor dem Spiel wieder zur Mannschaft,

aber ihm ist wichtig zu sagen, dass er Trainer in einem super Verein ist:

„Wenn ich zur Sportanlage am Trebnitzer Platz komme und sehe, wie dieser

Verein lebt. Alle im Verein, die Verantwortlichen, die Spieler, ob Groß oder

Klein, der Platzwart und die Fans sorgen mit ihrer Art für ein tolles Gefühl.

Der SV Rammeisberg ist sprichwörtlich der Prototyp eines Arbeitervereins,

sympathisch, bodenständig und ehrlich. Hier fühle ich mich wohl.“

Nur noch 15 Minuten vor dem Anpfiff muss ich jetzt zum Schluss kommen.

Aber mich interessiert natürlich schon, ob es Situationen gibt, wo Sie einem

Ihrer Spieler am liebsten den Ball wegnehmen und selbst kicken würden?

Walter antwortet wie folgt: „Ja, natürlich. Aber seien wir mal ehrlich, der

Fußball ist mit den Jahren immer dynamischer geworden und im

Vordergrund steht doch das offensive Spiel. Ich dagegen war ja eher immer

nur der klassische Spielmacher, der zwar Tore schießen konnte, aber meine

Aufgabe war es, ein Spiel zu lenken mit allen fairen und unfairen Mitteln. So

etwas gibt es heute nicht mehr und das ist auch gut so.!“

Bei Walters ist auch Fussball zu Hause ein Thema, besser formuliert: Es gibt

im Leben von Dirk Walter keine fußballfreie Zone.

„Es richtet sich alles danach. Ich kann froh sein, dass meine Frau diese

Fu.ballverrücktheit größtenteils mit mir teilt und mich immer unterstützt.

Aber manchmal ist es auch ihr zu viel!“ räumt Dirk Walter ein.

Ich beobachte Dirk Walter im Anschluss während des Spiels. Ganz sicher

kein Trainer wie Ernst Happel, der rauchend ganz ruhig auf der Trainerbank

sitzt. Da sind schon ordentlich Emotionen im Spiel und deutliche, laute

Ansagen an seine eigenen Spieler. Da spielt und geht einer mit über 90

Minuten, wenn auch nur in der eigenen Coaching – Zone….

Lieber Dirk Walter, vielen Dank, dass ich so dicht dran sein durfte.

Glückwunsch zum Heimsieg

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