Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar / Pyrotechnik Schneider

Apr 15, 2021

 

Wie kommen unsere Unternehmerinnen und Unternehmer durch die Corona-Krise? Diese Frage treibt mich seit über 12 Monaten massiv um. Und deshalb habe ich meine Betriebsbesuche (an vielen Stellen auch digital) nochmals enger getaktet. Schaue hin, ob Hilfsprogramme wirken. 

Wichtig war es für mich auch, einen engen Kontakt zu Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern zu suchen. Sie spiegeln mir seit einem Jahr regelmäßig, wo es bei ihren Mandantinnen und Mandanten klemmt. Sie spiegeln mir, wie die Betriebe durch die Krise kommen. Diese digitalen Treffen tun gut.

Und ich nehme ganz unterschiedliche Entwicklungen wahr: Da gibt es Unternehmen, die z. B. ganz stark von der Baukonjunktur profitieren und auch 2020 exzellente Geschäfte gemacht haben. Es gibt Betriebe, die vom Aufschwung der Automobilindustrie profitieren. Dann gibt es aber auch die, die ganz stark negativ betroffen sind. Ich denke z. B. an die Kinofamilie Wildmann. Sie und ihre Mitarbeiterinnen & Mitarbeitern hat man mit einem Berufsverbot belegt. Das tut richtig weh. Denkt bitte genauso an die Einzelhändler, die Hoteliers, die Gastronomen. 

Deshalb besuchte ich vor wenigen Tagen auch eine weitere stark betroffene Branche, die der Pyrotechniker. Das in Jerstedt ansässige Unternehmen „Schneider Pyrotechnik“ wird mit großer Leidenschaft von dem 63-jährigen Sven Schneider geführt. 

 

Bereits in den 70er Jahren entwickelte sich bei ihm eine starke Faszination für das Feuerwerk. Der Firmengründer Hubert Cohnen hat bereits im Jahr 1952 in Goslar – an der Clausthaler Straße einen Festartikelhandel / Feuerwerke (Paul Habicht) übernommen. Zusammen mit Vater Friedrich – Wilhelm Schneider übernahm man den kleinen Betrieb im Jahr 1977 von Herrn Cohnen und baute diesen Betrieb gemeinsam weiter aus. 1989 wurde die Schneider Pyrotechnik GmbH gegründet und Vater Friedrich – Wilhelm Schneider schied 1992 aus dem Unternehmen aus. Daraufhin spezialisierte er sich in dem Bereich der Pyrotechnik weiter und weiter. Heute ist Sven Schneider einer der ganz wenigen Profis in diesem Berufszweig in Niedersachsen. 

Feuerwerk machen und Feuerwerk verkaufen klingt erstmal ganz einfach und spaßig, oder? Ganz so einfach ist es aber nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen (auch für die Einlagerung) sind verständlicherweise hoch und unterliegen ganz besonderen Gesetzen und Auflagen. Sven Schneider hat in den vergangenen Jahren hohe Investitionen getätigt, um seine Waren ordnungsgemäß einlagern zu können und zu dürfen.

 

In der Pyrotechnikbranche ist Sven Schneider bekannt. Schon seit Jahrzehnten begleitet er viele verschiedene große Volks- und Schützenfeste in Deutschland. 

 

Eindrucksvoll erzählt er über seine Arbeit: 2018 in Oldenburg „Nacht der Oldenburger Lichter“ https://www.youtube.com/watch?v=_tTfwar6n_A

 

In dem Video zum Feuerwerk 2015 in Hamburg bei der Veranstaltung „Hamburger DOM“, könnt Ihr hinter die Kulissen seiner Arbeit schauen https://www.youtube.com/watch?v=WovasfC89Dw

Er ist aber auch ein wichtiger Partner bei unserem Goslarer Schützenfest. Dabei richtet er nicht nur das traditionelle Feuerwerk aus, sondern ist als Vorsitzender des Vereins „Volksfest e. V.“ ehrenamtlich engagiert. Mit seinem Vorstand ist Sven Schneider der Hauptverantwortliche für die Organisation unseres so beliebten Schützenfestes. Keine einfache Arbeit und sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig, mit Schaustellern über Genehmigungen und Standorte zu diskutieren. Und dieses Schützenfest ist eben nicht nur ganz viel Spaß und Freude, sondern auch ein großer Wirtschaftsfaktor in unserer Stadt.

Feuerwerke fasziniert die Menschen und sorgt für Lebensfreude bei jung und alt. Deshalb bin ich gegen ein generelles Verbot von Feuerwerk. 

Sven Schneider berichtete mir, dass durch eine Untersuchung von dem VPI – „Verband der pyrotechnischen Industrie“ herausgefunden wurde, dass der Anteil von Feinstaub durch Feuerwerk bei 2.000 Tonnen pro Jahr emittiert wurde. Dabei stellt es einen Wert von 0,97 Prozent zu der gesamt jährlichen Feinstaubbelastung in Deutschland von 210.000 Tonnen dar. 

In diesem und im letzten Jahr konnte Sven Schneider seinen Beruf nicht mehr ausüben. Klar: Volksfeste und Schützenfeste konnten nicht stattfinden. 

Aber selbst der Verkauf von Silvesterfeuerwerk im Dezember 2020 musste rückabgewickelt werden. Seine Transporter sind abgemeldet, ein Teil der Fahrzeugflotte sogar verkauft. Es ist eine vergleichbare Situation wie bei den Schaustellern. Das motiviert gerade nicht. Und das kostet – Hilfsprogramme hin oder her – viel, viel Geld. Privates, verdientes, versteuertes Geld von Sven Schneider.

Ich drücke die Daumen und hoffe sehr, dass der Betrieb Pyrotechnik Schneider und Sven Schneider gesund durch diese Krise kommen. Lieber Herr Schneider, bleiben Sie zuversichtlich. Die Tage werden heller. 

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