Oliver Junk

Oberbürgermeister #Goslar

 

Herzenssache Goslar / Rehkitzrettung

Mai 20, 2020

Es wird für Inga, Ida und mich ein eindrucksvolles Erlebnis bleiben; wir

durften vor einer Woche beim „Saisonstart“ dabei sein.

Und Saisonstart deshalb, weil in den nächsten Wochen – wie im Vorjahr –

eine große Anzahl von ehrenamtlichen Tierschützern Rehkitze und andere

Wildtiere vor Mähmaschinen retten und schützen.

Wie geht das und warum?

April, Mai, Juni – das ist der Zeitraum in dem die Rehkitze geboren werden;

aber eben auch die Zeit für die Landwirte, ihre Wiesen zu mähen. Die

Rehkitze werden in genau diesem hohen Gras geboren und bei Gefahr –

etwa durch das nahende Mähwerk – verhält sich das Kitz ruhig und presst

sich ganz nah an den Boden. Keine Chance für den Landwirt auf dem

Traktor, dieses Tier rechtzeitig zu sehen.

Deshalb hat sich in Stadt und Landkreis Goslar eine ganz wunderbare

Kooperation entwickelt: Nabu, Jägerschaften und Landwirte ziehen an

einem Strang, um Rehkitze zu retten.

In den frühen Morgenstunden lassen deshalb jetzt Tag für Tag die Teams

Drohnen aufsteigen, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet sind.

Diese fliegt über die Wiese und über einen Bildschirm am Boden können die

Tiere gesichtet werden.

Ist ein Kitz in der Wiese ausgemacht, machen sich die Ehrenamtlichen auf

den Weg, gelenkt über Funkgeräte durch den Drohnenpiloten. Wird ein Tier

entdeckt, wird es mit einer Ohrmarke versehen. Dies hilft den Jägern, einen

guten Überblick über die Tiere zu behalten. Danach wird, wenn möglich, das

Tier durch Markierungsstangen markiert und durch einen Wäschekorb

geschützt. Das Wegtragen des Rehkitzes wird möglichst vermieden, damit

das Jungtier keinen Menschengeruch annimmt und möglichweise dann

durch die Rehkitzmama (Ricke) verstoßen wird.

Die Vorteile der Rehkitzrettung durch die Luft liegen auf der Hand! Die

Methode ist ungeheuer effektiv und sehr schnell.

Im vergangenen Jahr – und die Zahl finde ich wirklich bemerkenswert –

wurden über 40 Rehkitze durch diese Methode im Landkreis Goslar vor den

Mähwerken gerettet.

Die Landwirte sind dankbar für diese Hilfe und unterstützen durch

gro.zügige Spenden – so auch Landwirt Hirschfeld – die Nabuaktion.

Und wieso war ich mit meinen Töchtern beim Saisonstart dabei? Nun, im

vergangenen Jahr wurde ich durch Instagram über die Rehkitzretter in Stadt

und Landkreis Goslar aufmerksam und hatte zu Herrn Knolle (mein

Kontaktmann in die Naturschutzverbände J) und Herrn Moldehn (1.

Vorsitzender des Nabu) Kontakt aufgenommen.

Mich interessierte, wer die Rehkitzrettergruppe – unter dem Dach des

Nabu Goslar – initiiert hat, wie die Arbeit genau funktioniert, wie viele Tiere

gerettet werden können, wie die Bauern reagieren, wer die Kosten

übernimmt und und und.

Die Antwort im Juni 2019 lautete dann etwa so: „Schön, dass Sie sich

melden und Interesse haben!“ „Kommen Sie doch mal vorbei!“ „Irgendwie ist

es jetzt aber auch schon reichlich spät in der Saison, wollen wir uns im

nächsten Jahr verabreden?“ So – oder so ähnlich – sind wir im Vorjahr

auseinander gegangen, jedenfalls wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

Und vor einer Woche – ich war eher bei Corona, weniger bei den Rehen –

ereilte mich dann ein Anruf von Herrn Moldehn im Büro: „Herr Junk,

morgen ist Saisonstart, wir wollen wieder Rehkitze retten, kommen Sie doch

morgen früh mal mit, gerne auch mit Kindern……“

Meine spontane Zusage wollte ich beinahe wieder zurücknehmen als mir

mein Vorzimmer schonend beizubringen versuchte, dass mit dem Thema

„früh aufstehen“ nicht etwa 6 Uhr, halb 6 Uhr, 5 Uhr, halb 5, 4 Uhr,

sondern halb 4 Uhr in der Nacht gemeint war.

Und dann startete der erste Drohnenflug. Für kalte Füße und kalte Finger

sowie das Warten auf einen Ersatzbildschirm wurden wir alle reichlich

entschädigt. Ich erinnere mich jedenfalls an einen herrlichen

Sonnenaufgang, gesichtete Hasen, Rehe und Füchse, heißen Kaffee von Frau

Hirschfeld,

interessante Gespräche und Informationen. Und traurig war niemand

darüber, dass wir kein Rehkitz retten mussten. Die Jagdpächterin sagte,

dass die Zeit Geburten jetzt kommt. Ich habe mich davon überzeugt, dass

die Truppe gut vorbereitet und motiviert ist.

Und gemeinsam mit meinen Kindern bin ich heute noch dankbar für dieses

großartige Erlebnis, das uns an diesem Morgen in Seesen geboten wurde.

Weitere Infos zu den Aktivitäten, Möglichkeiten zum Mitmachen und/oder

Spendenmöglichkeiten findet Ihr/finden Sie hier:

https://www.nabu-goslar.de/projekte/rehkitzrettung/

https://rehkitzrettung-goslar.jimdofree.com

Danke für Euer Engagement, danke für das Erlebnis – Herzenssache

Goslar: Die Rehkitzrettung

Nachtrag: Wie alle anderen Ehrenamtlichen bin ich nach dem „Einsatz“ in

den Berufsalltag gestartet. Meine Kolleginnen und Kollegen im

Oberbürgermeisterbüro waren jedenfalls stolz auf mich J

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