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Oberbürgermeister #Goslar

 

Nachruf / Dr. Jochen Stöbich

Feb 26, 2021

Mit Dr. Jochen Stöbich ist ein großer Mensch, erfolgreicher Unternehmer und glänzender Botschafter unserer Stadt Goslar verstorben.

 

Im August 2013 durfte ich Ihnen – im Namen von Rat und Verwaltung – mit der Ehrenplakette unserer Stadt auszeichnen. Die Ehrenplakette wird Persönlichkeiten verliehen, die durch außerordentliche und herausragende Leistungen besondere bleibende Verdienste um das Wohl und das Ansehen der Stadt Goslar erworben haben.

 

Wir haben ihn geehrt, weil er neben der unbestreitbaren wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte seiner Firma immer auch den Blick für die Belange in der Stadt Goslar und in der Region hatte.

 

Eine besondere Lebensgeschichte. In 40 Jahren hat er sein heute am Weltmarkt führendes Brandschutzunternehmen in der Baßgeige als Erfinder, Pionier, Arbeitgeber und vor allem als Mensch gelenkt.

 

 

Als Österreicher 1943 in Goslar geboren und in Salzburg aufgewachsen, wurde Jochen Stöbich nach dem Besuch der Hauptschule zur Ausbildung sozusagen wieder ins Wirtschaftswunderland Deutschland „verschifft“, um hier beim Autohaus Köhrich eine Lehre als Kraftfahrzeughandwerker zu absolvieren und bei den Großeltern in Wolfshagen zu wohnen. Später macht er sein Fachabitur und studiert in Hannover Maschinenbau.

 

1968 fängt Jochen Stöbich bei den Goslarer Junior-Werken an, zunächst als Technischer Assistent, dann als Anlagenplaner, schließlich als Fertigungsleiter. In dieser Zeit ist der verstorbene Goslarer Ehrenbürger Peter Schenning sein Ziehvater und Mentor.

 

Der Großbrand in der Hannoveraner Keks-Fabrik Bahlsen im Jahre 1976 ist sozusagen die Geburtsstunde der Erfolgsidee von Stöbich Brandschutz – der Auslöser für Jochen Stöbich, sich mit der Brandtechnik zu beschäftigen und diese zu verbessern. Diese Geschichte ist oft erzählt worden.

Das kann man besser machen“ – dieser Satz beschreibt zutreffend das Lebensmotto von Jochen Stöbich und seine Motivation, sich nie mit dem Erreichten zufriedenzugeben.

 

1980 wagt er deshalb auch den Schritt in die Selbständigkeit und gründet die Stöbich Brandschutz GmbH. Der Ein-Mann-Betrieb liefert bereits im Gründungsjahr die erste Weltmarktneuheit –Förderanlagenabschlüsse für durchlaufende Fördersysteme – quasi aus der Garage heraus.

 

 

Heute über 1.000 Mitarbeiter und ein Weltkonzern. Und trotz aller Expansion hat sich Dr. Stöbich aber immer zum Standort Goslar bekannt. Der Mittelpunkt seiner Arbeit und seines Schaffens liegt hier. Und als Österreicher ist er doch von ganzem Herzen Goslarer.

 

Im Manager-Magazin gab es jüngst einen interessanten Artikel zum sogenannten „Weltwissen im Dorf“. Der Autor stellt darin die Frage, wo die führenden Experten dieser Welt säßen. Man würde vermuten an den Universitäten von Tokio, Paris oder London, wo in der Tat die führenden Theoretiker und Wissenschaftler arbeiten. Doch die Könner der Anwendung und der Praxis fänden sich an Orten, deren Namen nur wenige kennen.

 

Das „Weltwissen im Dorf“ sei ein Phänomen, das in der Breite und Vielfalt eine einzigartige Charakteristik Deutschlands bzw. des deutschsprachigen Raums sei. Kein Land verteile seine Stärken so vielfältig wie Deutschland. Und genau in dieser Dezentralität liege eine der wichtigsten Wurzeln unserer wirtschaftlichen und technologischen Stärke.

 

Effektiver als in Großstädten arbeiteten an den ruhigen Plätzen unserer Dörfer, Mittel- und Kleinstädte die von ihrer Mission besessenen Unternehmer und ihre Mitarbeiter mit höchster Konzentration und Energie. Die Mitarbeiter hätten hier eine permanente Bindung zum Unternehmen. Mitarbeitermotivation und Unternehmenskultur seien von besonderer Qualität. Die ländlichen Standorte prägen die Unternehmen und diese wiederum prägen ihre Standorte.

 

Der Autor des Textes hätte bei Herrn Stöbich sein können. Denn hinter allen diesen Aussagen könnte auch die Firma Stöbich Brandschutz.  Die Stöbich-Unternehmensgruppe mit dem Hauptsitz in der Goslarer „Baßgeige“ war aber nicht nur ein zuverlässiger Erfolgmotor für unsere Wirtschaft.

 

Denn Dr. Jochen Stöbich als Kopf, Herz und Seele des Unternehmens hatte immer auch den Antrieb, nicht nur seine zentrale geschäftliche Tätigkeit zu verfolgen. Vielmehr zeichnet sich Dr. Stöbich parallel zu seinem Firmenengagement durch sein vielfältiges gesellschaftliches und soziales Engagement aus.In zahlreichen Projekten und Positionen setzt er seine Impulse und schiebt immer wieder neue Dinge an.

 

Ich denke z. B. an seine ehrenamtlichen Aufgaben, die er in der IHK, in Sparkassen-Gremien oder im Senat der Deutschen Wirtschaft wahrgenommen hat. Ich denke an die Initiative Zukunft Harz, die EIN-HARZ Intitiative, sein Engagement bei ProGoslar. Ich denke an sein Engagement im REWIMET- Netzwerk.

Mit dem Batterietestzentrum auf dem Energie-Campus entwickelte er zusammen mit dem EFZN, dem Fraunhofer Institut und der TU Clausthal eine gemeinsame Forschungseinrichtung, die vor dem Hintergrund des Batteriebedarfs bei der E-Mobilität sowohl den Bedarf für Speicherforschung als auch die im Zusammenhang stehenden neuen Fragen des Brandschutzes als Forschungsfelder abdeckt.

 

Als persönlicher Preisstifter und Jurymitglied des Kaiser-Friedrich-Forschungspreises hat er alle zwei Jahre Wissenschaftler und Entwickler für innovative, richtungsweisende Entwicklungen in den Optischen Technologien ausgezeichnet. Damit verschaffte er nicht nur den forschenden Unternehmen die Aufmerksamkeit des Marktes, sondern rückte auch die Stadt Goslar in den Fokus der Wissenschaft und machte sie als Standort für forschungsorientierte Unternehmen überregional bekannt.

 

Dr. Jochen Stöbich – er war „Pionier und Möglichmacher“, so schreibt es Frank Heine heute in der Goslarschen Zeitung. Ehrenbürger Sigmar Gabriel  sagt: „Die Stadt Goslar verliert mit dem Tod von Jochen Stöbich eine ihrer erfolgreichsten und innovativsten Unternehmer-Persönlichkeiten und zugleich einen großen Förderer und Wissenschaft und Kultur“.

 

Dem bleibt nichts hinzuzufügen. Meine Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

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