20 Jahre Harzer Wandernadel
Auszüge aus meiner Rede zur Ausstellungseröffnung “20 Jahre Harzer Wandernadel”
Rede zur Eröffnung der Sonderausstellung
„20 Jahre Harzer Wandernadel – eine Erfolgsgeschichte“
(Auszüge)
Anrede
(…)
mit dieser Ausstellung richten wir nicht die Scheinwerfer auf 222 kleine grüne Kästen im Harz, sondern auf so viele Menschen, die Teil dieser großartigen Erfolgsgeschichte waren und sind. Und Sie richten die Scheinwerfer auf 222 Orte im Harz und damit auf eine ganze Region, - wenn wir die Streuverluste bei so Scheinwerfern mitdenken. Sie machen damit Orte sichtbar, jenseits unserer touristischen Hotspots.
(…)
Die Harzer Wandernadel ist längst auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Orte, die sich touristisch vielleicht nicht automatisch erschließen.
(…)
Lassen Sie mich bei den Scheinwerfern bleiben. Sie strahlen auch den Harzklub an. Sie bringen damit eine große Wertschätzung für fast 11.000 Mitglieder des Harzklubs zum Ausdruck.
Sie wissen wie ich: Ohne das ehrenamtliche Engagement von so vielen Wanderfreundinnen und Wanderfreunden im Harzklub wäre die Erfolgsgeschichte der Harzer Wandernadel kaum denkbar.
Wegeinfrastruktur und Ausschilderung, Bänke, Schutzhütten und Hinweistafeln – vieles davon liegt direkt an den Stempelstellen
und wurde und wird bis heute wesentlich vom Harzklub instandgehalten.
Ohne den Harzklub gäbe es vieles nicht, was wir hier alle so schätzen:
Wanderwege, Pflege und Erhalt von Brauchtum und Heimat, Umwelt- und Naturschutz.
Die Zweigvereine des Harzklubs investieren jedes Jahr allein über 55.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit, um etwa 7.500 Kilometer Wanderwege im Harz zu pflegen und zu markieren.
Was will ich damit sagen?
Der Erfolg der Harzer Wandernadel hat viele Gründe.
Und einer liegt eben im Engagement der vielen Ehrenamtlichen.
Und deshalb ist Ihre Einladung an mich, heute hier sprechen zu dürfen
nicht nur eine Wertschätzung für den Harzklub, sondern auch für das Ehrenamt insgesamt.
Gerade in unseren Städten und Gemeinden im Harz, wo die kommunalen Strukturen überschaubar und auch finanziell angeschlagen sind, geht so vieles ohne Ehrenamt schlicht nicht.
Und deshalb wiederhole ich gerne den Satz, den Sie von mir vielleicht schon gehört haben: Ehrenamt ist systemrelevant.
(…)
Und wir wissen: Die Herausforderungen werden nicht kleiner.
Gesellschaftliche Veränderungen, demographische Entwicklungen, Mitgliederschwund in Vereinen –
Und gerade weil das Ehrenamt so wichtig ist, dürfen wir diesen Veränderungen nicht einfach zuschauen.
Wir müssen neue Wege der Zusammenarbeit finden.
Meine Damen und Herren,
für mich heißt das konkret:
Hauptamtliche Strukturen müssen ehrenamtliches Engagement stärker unterstützen und begleiten.
Und genau das geschieht hier bei uns:
Durch Wertschätzung
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durch Kooperation
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durch die gemeinsame von Verantwortung
(…)
und durch die Bereitschaft, dort zu helfen,
wo Aufgaben allein ehrenamtlich kaum noch zu bewältigen sind.
Und so ist die Harzer Wandernadel eben viel mehr als Verantwortlich für 222 grüne Kästen mit Stempeln, sondern – ich bemühe nochmals den Begriff – systemrelevant für das Funktionieren unserer wichtigen Wanderwege - Infrastruktur.
Das ist im Übrigen viel mehr als „nur“ touristische Infrastruktur.
Erfolgsgeschichten wie die Harzer Wandernadel entstehen selten allein.
(…)
Ich möchte aber noch einen weiteren wichtigen Aspekt ansprechen:
Die Harzer Wandernadel war Trendsetter.
Wenn man heute über Motivation spricht – in Unternehmen, in Schulen oder im Sport – fällt sehr schnell ein Begriff: Gamification.
Das klingt zunächst ein bisschen nach Computerspiel.
Dahinter steckt aber eine ganz einfache Idee:
Menschen bleiben motiviert, wenn sie Fortschritte sehen, Ziele erreichen
und kleine Erfolge sammeln können.
Viele Apps arbeiten heute genau damit.
Fitness-Apps zählen Schritte.
Sprachlernprogramme vergeben Punkte oder Abzeichen.
Viele Programme nutzen Ranglisten, Fortschrittsbalken oder kleine Belohnungen.
Und wenn Sie sich die Harzer Wandernadel anschauen oder Ihr eigenes Tun mit dem Wanderpass, dann stellen Sie doch fest:
Gamification – das gab es bei uns schon im Harz, bevor das Wort erfunden wurde.
Statt digitaler Punkte gibt es Stempel im Wanderpass.
(….)
Wälder, Täler, Gipfel – ganz analog und eben mit Gerüchen, Begegnungen, Sonne, Regen. Alles viel besser als der Bildschirm.
Gamification: Menschen bleiben dran.
Viele beginnen mit ein paar Stempeln – und irgendwann merken sie,
dass sie längst Teil eines großen Abenteuers geworden sind.
Und wir machen weiter und weiter.
Und so entsteht etwas, das man heute neudeutsch Langzeitmotivation nennt.
(…)